Meisterehrung am 29.11. 2018 in Ochtendung

Einen „anderen Modus“ kündigte Ulrich Klaus an, als er die 37. Meisterehrung des Tennisverbandes Rheinland in der Ochtendunger Kulturthalle eröffnete. Und dann las der DTB- und TVR-Präsident den Anwesenden die Leviten.

Das Verbandspräsidium, so Klaus, habe beschlossen, diesmal auf die traditionelle Begrüßungsrede des Präsidenten zu verzichten. „Lärmpegel und Unaufmerksamkeit“ im Publikum hätten in der Vergangenheit dazu geführt, dass „nicht mehr richtig zugehört“ wurde, stellte der ehemalige Gymnasiallehrer fest und sorgte damit für gespannte Ruhe in der gut besetzten Halle. Und dann wurde es doch eine Ansprache, wenn auch kürzer als gewohnt. „Ich habe mich dazu hinreißen lassen“, so „Sepp“ Klaus später. Von einem ereignisreichen Jahr berichtete er, mit „viel Engagement“, obwohl die Zahl der Aktiven „leider rückläufig“ sei. „Die Wirkung des LK-Systems hat nachgelassen, aber es wird renoviert“, kündigte Ulrich Klaus an. Der Ranglisten-Ausschuss wird sich mit dem „dicken Bauch“ des Bereiches LK 18 bis 23 befassen, ebenso mit der Anerkennung der Doppelspiele und der Einbeziehung der U10. Als Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB) hob Klaus die Highlights Wimbledon (Angelique Kerber) sowie ATP-Finale (Alexander Zverev) hervor, warf einen Blick auf die Davis-Cup-Begegnung mit Ungarn am 1./2. Februar in Frankfurt und auf das neue Davis-Cup-Reglement: „Wie das funktionieren soll, weiß man noch nicht.“

Dann gab der Verbandspräsident „Feuer frei“ für die Ehrung, die zahlreiche Tennisfreunde angelockt hatte und die von Anneliese Schönberg in bewährter charmanter wie bestimmter Manier („Für jeden nur ein Nikolaus“) dirigiert wurde. 79 Namen tauchten auf der Meisterliste auf, insgesamt wurden 36 Vereinsmeister und 43 Einzelsieger geehrt, die der Reihe nach auf die Bühne gebeten wurden. In einer Pause zur Hälfte der knapp zweistündigen Veranstaltung lockerte das Akrobatik-Duo Lizzard mit einer vielbestaunten Vorführung die Stimmung auf. Zum nächsten Höhepunkt bat Organisatorin Schönberg eine Handvoll rüstiger älterer Herren auf die Bühne. „Es ist ganz besonders erfreulich, dass uns das Jahr 2018 einen veritablen deutschen Meister beschert hat“, rief Anneliese Schönberg unter großem Beifall ins Publikum, dann betraten die Spieler der Herren75-Mannschaft des TC Siershahn das Podest. Erstmals sei ein nationaler Mannschafts-Titelkampf in dieser Altersklasse ausgetragen worden, berichtete Teamkapitän Dieter Roth, deutscher Doppel-Vizemeister in der Halle. Im Finale bezwangen die Westerwälder, in deren Reihen neben Roth auch der zweimalige deutsche Vizemeister und Weltranglisten-Sechste Heinz Wagner stand, Gastgeber TV Espelkamp mit 3:3/7:6. „Es war ganz knapp, der Erfolg stand nach dem glatten Sieg des ersten Doppels fest“, erläuterte Roth. Den entscheidenden Satz hatte Gordon Waygood bei seiner 1:2-Niederlage geholt, „danach war es ein Rechenexempel“, ergänzte Mannschafts-Manager Horst Bitschkus.

Den „größten Erfolg meiner Karriere“ feierte Roman Garzorz vom TC Oberwerth mit der deutschen Freiplatz-Vizemeisterschaft an der Seite seines Vereinskameraden Lars Wellmann im Doppel Herren 40, nachdem er zusammen mit seinem Doppelpartner vorletztes Jahr DM-Dritter geworden war. Wellmann wurde in Bad Neuenahr zudem Einzel-Vizemeister, bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften holte er sich den Einzeltitel in der Klasse Herren 30. Zwar gibt es das Koblenzer Doppel kommende Saison nicht mehr, weil Garzorz, der dieses Jahr auch Rheinland-Pfalz-Meister Herren 40 (Freiplatz) wurde, nach Bad Ems wechselt. „Aber bei den deutschen Meisterschaften in Bad Neuenahr wollen wir nächstes Jahr endlich den Doppel-Titel gewinnen“, kündigte er an. Für Margreth Beyer vom Andernacher TC ist eine Meisterehrung  schon Routine, auch wenn sie den angestrebten Titel in diesem Jahr verpasste. „Eigentlich wollte ich meinen Titel als deutsche Meisterin bei den Damen 60 erfolgreich verteidigen“, meinte Beyer, die immerhin in Baden-Baden Europameisterin wurde: „Glück für mich, dass meine französische Halbfinalgegnerin nicht antrat“, stellte Beyer fest. „Das wäre ganz eng geworden.“ 2019 ist ihr letztes Jahr bei den Damen 60, „da will ich in den vier, fünf großen Turnieren immer wenigstens ins Halbfinale kommen“, lautete ihr Wunsch. „Ich freue mich schon darauf, das ist wie ein Wiedersehen in einer großen Familie.“

Nachdem TVR-Präsident Ulrich Klaus den offiziellen Ehrungsteil beendet und ans Buffet gebeten hatte, ergänzte er in kurzen Worten, was ungesagt blieb, weil er ja keine Eröffnungsrede halten wollte. Zum Beispiel die gute Kaderarbeit, u.a. mit den beiden Talenten Mika Lipp und Dana Heimen aus Mainz bzw. Ludwigshafen. „Ich hätte aber auch über die finanzielle Lage des TVR gesprochen“, betonte Klaus. „Denn langsam wird es eng für uns.“

Thomas Wächtler

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