Tennis erfreut sich wieder zunehmender Beliebtheit

Koblenz. Die Zeiten von Boris Becker und Steffi Graf und der damit einhergehende Tennis-Boom in Deutschland der 1980er und 1990er Jahre sind längst vorbei. Beginnend mit den Jahren vor der Jahrtausendwende gingen die Mitgliederzahlen seit dem Jahr 1993, als mit knapp 71.000 Mitgliedern im Einzugsgebiet des Tennisverbandes Rheinland der bisherige Höchststand verzeichnet wurde, kontinuierlich zurück. Doch ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 konnte der Tennisverband Rheinland nun erstmals wieder einen Mitgliederzuwachs vermelden.

Im Kern als Individualsport betrieben und in der Regel kontaktlos gespielt, hatte das Tennis im Vergleich zu vielen anderen Sportarten im Corona-Jahr 2020 mit deutlich weniger Einschränkungen und nur einem zeitweisen Spiel- und Trainingsverbot umzugehen. Lediglich während des ersten Lockdowns im März und April sowie im Dezember konnte überhaupt nicht gespielt werden. Den Rest des Jahres standen die Tennisplätze der Region unter Beachtung strenger, zumeist von den Vereinen mit der Unterstützung des Verbandes erarbeiteter Hygienekonzepte offen. Sogar die alljährliche Medenrunde, seines Zeichens der Mannschaftswettbewerb im Tennis, konnte auf freiwilliger Basis ebenso wie einzelne Turniere ausgetragen werden. Wie sich nun zeigt, haben trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie im Rheinland wieder deutlich mehr Menschen zum Tennis gefunden, als in den Jahren zuvor. Erstmals nach 28 Jahren des Rückganges, in denen das Tennis neben dem Ausbleiben der ganz großen Erfolge im Profibereich nicht zuletzt mit dem demografischen Wandel in der Bevölkerung und einem immer größer werdenden Spektrum an Freizeitangeboten insbesondere für Kinder und Jugendliche zu kämpfen hatte, stieg die Mitgliederzahl wieder um 358 (ein Prozent) auf insgesamt 37.100. Eine Wende, die sich unabhängig von der Corona-Pandemie in den letzten Jahren, als die Mitgliederzahlen nur noch geringfügig zurückgingen, schon angebahnt hatte. „Unsere vielfältigen Bemühungen vor allem bei der Vereinsberatung und der Mitgliedergewinnung sowie die leidenschaftliche Arbeit in den Vereinen zahlen sich aus. Der Mitgliederzuwachs ist unabhängig von den Einwirkungen der Corona-Pandemie das Ergebnis der investierten Arbeit in den letzten Jahren, in denen die Kurve mehr und mehr abgeflacht ist. Es ist schon seit Längerem eine Aufbruchsstimmung zu spüren, die sich nun auch in Zahlen ausdrückt. Besonders freue ich mich über die positive Entwicklung im Kinder- und Jugendbereich. Es war immer ein Ziel von mir, Tennis wieder mehr ins Bewusstsein der Kinder und Jugendlichen zu bringen“, führt der langjährige DTB-Präsident und amtierende Präsident des Tennisverbandes Rheinland Ulrich Klaus den Mitgliederzuwachs unwesentlich auf die Corona-Pandemie zurück. Das gestiegene Interesse am Tennissport in der Region ist bei einer Vielzahl der Vereine, die selbst in den letzten Jahren mit einer Fülle an Angeboten und Maßnahmen dem Mitgliederrückgang entgegengesteuert haben, durchaus spürbar. „Wir haben fünf Plätze, die allesamt während der Saison sehr stark nachgefragt wurden. Im letzten Jahr haben wir nicht wegen, sondern trotz der Corona-Pandemie einen starken Zulauf erfahren. Die positive Mitgliederentwicklung lässt sich bei uns auf eine intensive Jugendarbeit in Form von Kooperationen mit Schulen und Kindergärten zurückführen. Darüber hinaus sprechen wir gezielt die Menschen an, laden sie zum Probetraining ein und wollen die gesamte Familie zum Tennis bringen“, erklärt der 1. Vorsitzende des TC Rhein-Wied, Hans-Werner Remy. Insgesamt ist Remy mit der Lage in seinem Verein zufrieden. Lediglich die Altersstruktur bereitet ihm Sorgen. „Wir haben 20 Mannschaften gemeldet und decken alle Altersbereiche ab. Allerdings ist ein Großteil der Mitglieder schon etwas älter. Ein Ziel ist es daher, in den nächsten Jahren noch mehr junge Menschen zum Tennis zu bringen“, so Remy. Einen beeindruckenden Aufschwung erlebte in den letzten Jahren der TC Bad Bodendorf. Vom Jahr 2010 an stieg die Mitgliederzahl im Sinziger Stadtteil von 106 bis Mitte 2019 auf 340 Mitglieder. Im vergangenen Jahr verstärkte sich dieser Trend nochmals, sodass der Verein aktuell rund 400 Mitglieder in seinen Reihen zählt. „Kooperationen mit Schulen und eine Vielzahl an Schnupperkursen waren und sind bei uns entscheidend. Ich denke schon, dass Corona mitverantwortlich für den enormen Zuwachs im letzten Jahr war. Nun sind wir mit unseren sieben Plätzen an der absoluten Auslastungsgrenze angekommen“, befindet Ralf Barnekow, der 1. Vorsitzende des TC Bad Bodendorf. „Ich denke persönlich nicht, dass die Einschränkungen in anderen Sportarten für den Zuwachs gesorgt haben. Wir setzen auf die Jugendarbeit inklusive einer Kooperation mit einer Schule. Langfristig möchten wir den Gemeinschaftsgedanken und die soziale Verantwortung wieder mehr aufleben lassen. Es geht darum, mehr Nähe zwischen Verein und Mitgliedern und zwischen den Mitgliedern untereinander zu schaffen“, berichtet Stefan Meichsner, der 1. Vorsitzende des TC Münstermaifeld. Auch beim TC Oberwerth, mit über 450 Mitgliedern einer der größten Tennisvereine im Rheinland, ließ sich zuletzt eine erfreuliche Entwicklung feststellen. Seit dem Jahr 2014 erhöhte sich die Zahl der Mitglieder von 400 auf 460. „Wir haben natürlich in Koblenz eine gute, zentrale Lage und schaffen vor allem mit Blick auf die Anlage und die ausgebildeten Trainer sehr gute Rahmenbedingungen. Die angegliederten Tennisschulen und die vielen Wettkampfveranstaltungen sorgen gerade bei jungen Menschen für einen guten Zulauf. Insgesamt haben wir sowohl bei den Mitgliedern als auch im Vorstand eine sehr gesunde Altersstruktur. “, erklärt Marc Börsch, der Vorstandsvorsitzende des TC Oberwerth. Für die Zukunft sieht Börsch den besonders bei Studenten beliebten Club gut aufgestellt. „Wir gehen von einem leichten Wachstum in den nächsten Jahren aus und würden gerne unsere Anlage mit Blick auf die hohe Auslastung noch etwas vergrößern“, so Börsch. Ob sich der positive Trend des Vorjahres in diesem Jahr und in der nahen Zukunft fortsetzen wird, bleibt abzuwarten. Ein wesentliches Problem stellen die zu geringen Mitgliederzahlen in den vielen kleinen Vereinen der Region dar. Obwohl sich die Gesamtmitgliederzahl in den letzten dreißig Jahren nahezu halbiert hat, ist die Anzahl der gemeldeten Vereine in diesem Zeitraum nahezu identisch geblieben. Hinzu kommt, dass aktuell die Tennishallen in Rheinland-Pfalz durch die derzeitige Corona-Verordnung des Landes, anders als in manch anderen Bundesländern, noch geschlossen sind. „Wir sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung und hoffen, dass es so schnell wie möglich auch in der Halle wieder losgehen kann. Für uns ist es unverständlich, dass man aktuell nicht zu zweit auf solch großem Raum spielen darf. Davon abgesehen ist es enorm wichtig, dass die vielen kleinen Vereine in den kommenden Jahren wieder wachsen und so überleben können. Grundvoraussetzung dafür ist ein motivierter Vorstand und ein gut ausgebildeter Trainer in jedem Verein. Dementsprechend bieten wir auch in diesem Jahr wieder in den Sommer- und Herbstferien eine C-Trainer Ausbildung sowie seit diesem Jahr neu eine dreitägige Ausbildung zum Tennis-Assistent an“, sagt Lothar Markus, der Geschäftsführer des Tennisverband Rheinland.