Wie Flynn-Tjark Baumert an Profikarriere arbeitet

Der 15-jährige Flynn-Tjark Baumert aus Sinzig-Löhndorf gehört in seiner Altersklasse zu den größten Tennis-Talenten des Landes. Seinem Traum, einer erfolgreichen Karriere als Tennisprofi, ordnet der Jugendliche vieles unter und verzichtet auf so manches, dem Gleichaltrige in der Regel nachgehen. Der Weg zum Profi ist für das Nachwuchstalent noch weit, doch die richtige Basis scheint bereits jetzt gefunden zu sein.

Angefangen hat bei Flynn-Tjark Baumert in Sachen Tennis alles mit seinem Opa, der ihn 2012 in seinem siebten Lebensjahr gelegentlich mit auf den Tennisplatz nahm. Nur wenig später wurde sein Talent bei einem Probetraining beim HTC Bad Neuenahr sichtbar, sodass fortan mehrmals in der Woche Training auf dem Programm stand. Gleich bei seinem ersten Turnier in Koblenz gelang Flynn auf dem Kleinfeld der Turniersieg in seiner Altersklasse. Es folgte 2013 die Aufnahme in den Landeskader des Tennisverbandes Rheinland, wo er bis heute trainiert. Schon damals erhöhte sich sein Trainingspensum auf fünf bis sechs Einheiten in der Woche. Gestemmt konnte und kann der enorme Aufwand nur mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Eltern Nicole und Christian. So nimmt Vater Christian, der seine Arbeitszeiten flexibel gestalten kann, seit mittlerweile vielen Jahren mehrmals in der Woche den Weg von Löhndorf zum Leistungszentrum auf der Karthause in Koblenz gemeinsam mit seinem Sohn auf sich. Das enorme Trainingspensum gepaart mit seinem erkennbaren Talent ließen im Laufe der Zeit die Frage aufkommen, mit welchen Ambitionen und welchem Ernst Flynn seinem Hobby nachgehen soll. Gemeinsam entschieden sich seine Eltern, Trainer Sascha Müller und Flynn 2017 dazu, alles auf die „Karte“ Profi zu setzen. Dementsprechend wechselte Flynn im Februar 2018 vom Rhein-Gymnasium Sinzig auf das Privatgymnasium Schwetzingen, wo auch schon Deutschlands Tennisstar Alexander Zverev unterrichtet wurde. Im Eliteförderprogramm der Schule, bei dem Flynn zweimal in der Woche die Außenstelle in Mannheim besucht und sich den Rest der Woche den Schulstoff selbst erarbeitet, kann er seine schulische Ausbildung und den Sport wesentlich besser unter einen Hut bringen. Seit dem Schulwechsel hat sich das Trainingspensum noch einmal erhöht und führte schnell zu den ersten nationalen sowie internationalen Erfolgen. Nach einem Lehrgang beim Deutschen Tennisbund unter der Leitung von Boris Becker wurde Flynn 2019 in seiner Altersklasse Rheinlandmeister, Rheinland-Pfalzmeister und kam bei den Deutschen Meisterschaften sowohl im Einzel als auch im Doppel auf den dritten Rang. Hinzu kamen die ersten internationalen Turniersiege in Dänemark und Luxemburg, die Flynn auf Platz sieben in der Deutschen Jugendrangliste hievten und die für seine Berufung in den Nationalkader ausschlaggebend waren. Im vergangenen Jahr wechselte Flynn vom HTC Bad Neuenahr zum TC BW Bad Ems. Dort spielt der 15-jährige in der Herren-Oberligamannschaft, um so den Übergang vom Jugendtennis ins Herrentennis zu forcieren. Als jüngster Spieler im Team gelangen ihm bereits in seiner Premierensaison einige Siege, allerdings fielen durch die Corona-Pandemie auch viele für seine Entwicklung wichtige Turniere aus.  Umso mehr lag und liegt der Fokus aktuell auf dem Training, wo er seit diesem Jahr neben Sascha Müller ebenfalls vom ehemaligen Profi Dominik Meffert betreut wird. „Flynn ist ein fleißiger und ehrgeiziger Athlet geworden, der akribisch an sich arbeitet. Er bringt die nötige Leidenschaft mit und ist körperlich robust. Wir haben gemeinsam klare Ziele formuliert, auf die wir hinarbeiten. Neben dem internationalen Jugendtennis gilt es nun mehr und mehr im Herrentennis Fuß zu fassen“, sagt Trainer Müller, der schon Anna-Lena Friedsam in die erweiterte Weltspitze geführt hat, über Flynn. Eben mit Friedsam und weiteren Profis wie Benjamin Hassan oder Tim Pütz darf Flynn häufig im Leistungszentrum auf der Karthause trainieren. Ob er es allerdings ebenso wie seine Trainingspartner in den Profizirkus schafft, bleibt abzuwarten. „Es gibt keine Garantie dafür ein erfolgreicher Profi zu werden. Viele Aspekte wie die mentale Stärke spielen mit rein. Wir geben ihm eine gute Plattform, von der aus er nun gewisse Leistungsniveaus Schritt für Schritt adaptieren muss. Letztendlich geht es dann darum, sich im Haifischbecken des Profitennis durchzusetzen“, erklärt Müller. Bis zum Profi ist es also noch ein langer Weg. Zunächst steht in den kommenden Wochen für Flynn ein Lehrgang beim Deutschen Tennisbund mit Michael Kohlmann an, ehe es im Mai zum Training nach Florida gehen soll. Die vielen dadurch entstehenden Kosten trägt die Familie bislang größtenteils selbst und ist daher auf der Suche nach Förderern aus der regionalen Wirtschaft, um so Flynn weiterhin optimal auf dem Weg zum Profitennis unterstützen zu können. Wohin ihn dieser Weg von Sinzig-Löhndorf aus in den kommenden Jahren führen wird, bleibt mit Spannung abzuwarten.